Montag, 18. März 2013

East Coast 2

Nach den goldigen Schildkroeten fuhren wir weiter nach Maryborough. Eine ziemlich alte, ziemlich kleine Stadt, deren Highlight eine 1 Meter grosse Statue von Mary Poppins ist. Unser Plan war, nur kurz zu halten, uns ein wenig umzuschauen und dann wieder zu verschwinden. Aber nix da. Da wir unheimlich Glueck mit dem Wetter hatten und uns unsere Reise von staendigem Regen versuesst wurde waren wir wegen gefluteten Highways gezwungen drei Tage in Maryborough zu verbringen. Wir buchten also ein Motelzimmer (keine Hostels weit und breit, Campingplaetze geflutet) und genossen stumpfsinnige TV-Shows und Federbetten.

Als wir dann schliesslich mitbekamen, dass die Highways wieder offen seien, packten wir so schnell wie moeglich unser Zeug und fuhren los. Auf nach Hervey Bay, einem wirklich suessen kleinen Staedtchen mit viel Strand und vielen Rentnern. Wir schnappten uns unser Abendessen und setzten uns an den Strand als ploetzlich ein etwa 40 jaehriger Mann mit zwei zuckersuessen Hunden vorbei kam. Wir Maedels stuerzten uns auf die Hunde, waehrend Pete ein bisschen Smalltalk machte und dem Typ erklaerte, dass wir alle drei einen mittelschweren Gehirnschaden haetten. Das Gespraech dauerte an und wir erfuhren, dass er geschieden war (relativ frisch). Als er uns fragte, wo wir die Nacht ueber schlafen wuerden, konnten wir ihm nicht antworten, denn wir hatten keine ahnung und als er uns anbot, bei ihm in seinem haus zu schlafen, konnten wir nicht antworten, weil wir nicht wussten wie wir reagieren sollten. Pete und Martina waren feuer und flamme fuer diese Idee, wir wuerden ein Dach ueber dem Kopf haben und nicht im Dunkeln das Zelt irgendwo im nirgendwo aufschlagen muessen. Anne und ich dagegen hatten offenbar zu viele Horrorfilme gesehen und zu viele Backpacker-Killer-Geschichten gehoert um so aufgeregt zu sein. Es brach also eine Diskussion aus und am Ende hatten uns die beiden Irren soweit und wir fuhren tatsaechlich zum haus des potenziellen Moerders. Mein Herz schlug bis zum Hals, Anne rauchte ihre "letzten" 20 Zigaretten ("Pah, der Typ bringt mich eh eher um als der Lungenkrebs") und wir betraten das Hoellenhaus. Wir setzten uns aufs Sofa und machten wirklich unheimlich unangenehmen Smalltalk mit einem Kerl, der nicht nur fatalerweise unglaublich selbstueberzeugt, sondern auch sehr sehr nervig ist. Aber per Blickaustausch wurde uns klar, dass wir das gerne in Kauf nahmen, wenn wir dafuer warme Duschen und einen Schlafplatz bekamen.
Am Ende dieses Tagen konnte ich seine Frau, die ihn fuer einen anderen verliess nicht nur verstehen, sondern nur beglueckwuenschen! Vollidiot. Und abgesehen von der Tatsache, dass wir unabhaengig voneinander in der nacht aufwachten, weil wir dachten, der Irre steht mit einem Messer hinter uns, verlief alles relativ ereignislos. Am naechsten Morgen duschten wir und wurden gezwungen, Bilder mit ihm zu machen (wahrscheinlich um seiner Frau zu zeigen, dass er faehig ist, 20 jaehrige Backpacker in sein haus zu locken) und mussten einige "Hohoho, lasst doch eure unterwaesche hier, falls sie vorbeikommt,hohoho"-Jokes ueber uns ergehen lassen.

Nach Hervey bay mieteten wir uns einen Gelaendewagen und fuhren mit der faehre nach Frazer Island. Das Fahren auf der Insel war einerseits ein riesen Spass und andereseits Lebensgefaehrlich (Pete war Fahrer: Er hat diese verwirrende angewohnheit, waehrend des Fahrens den Spiegel herunter zu klappen, beide Hanede vom Lenkrad zu nehmen, zu rufen "Fahr mal!" und seine Haare zu frisieren.) Wir sprangen ueber Sandberge, fuhren am Strand entlang, besuchten das beruehmte schiffswrack und holten uns tausend blaue Flecke, weil wir im Auto hin und her geschmissen wurden.

Nach Brisbane, wo wir groesstenteils schliefen, feierten UND unseren franzoesischen Freund Fabien aus Cairns wieder trafen, ging es auf nach Surfers Paradise. Wir fanden einen Campingplatz, in den wir, Schande ueber uns, einfach einbrachen und sehr viel geld sparten. Wir schlugen unser Zelt in der hintersten Ecke auf, ohne gesehen zu werden und lernten zwei Jungs (deutsch und englisch) kennen, mit denen wir ein bemerkenswert stumpfsinniges Trinkspiel namens "Fuck the Dealer" spielten.
Als wir am naechsten Morgen aufwachten, mussten wir feststellen, dass Petes und Annes Koffer komplett entleert und alles wertvolle darin gestohlen wurde. Laptop, make up, Klamotten, Schuhe, alles. Wir bekamen also einen kurzen und heftigen Nervenzusammenbruch und entschlossen uns dann, die Polizei zu informieren. Was natuerlich etwas problematisch ist, wenn man auf den Campingplatz wo man bestohlen wurde, eingebrochen ist und illegal uebernachtet hat. Wir hatten also eine sehr freundliche Unterhaltung mit der Besitzerin, deren Kopf die Farbe einer Tomate annahm, als sie hoeren musste, dass die unverschaemten Goeren, die ohne zu zahlen uebernachteten, ihr auch noch die Bullen auf den hals hetzen wollten.

Doch weil sich unsere Lebenseinstellung hier ein bisschen geaendert hat, schuechtert einen das weniger ein, als dass er erheitert und so brachen wir auch in Byron Bay in einen Campingplatz ein. (Ich heisse es keinesfalls gut, dass wir zu verbrechern geworden sind. Aber ich kann es auch nicht wirklich aendern.) Wir buchten einen dreitaegigen Surfkurs, was wirklich sehr sehr unterhaltsam war. Ich wuerde nicht unbedingt behaupten, dass ich jetzt "surfen" kann, aber ich sehe es als persoenliche Glanzleistung mir das brett nach drei tagen nicht mehr gegen den Kopf zu hauen.

Wir besuchten noch viele andere Orte und hatten viel Spass und machten viele illegale Sachen, aber ich bin zu faul weiter zu schreiben.
Sind heute in Sydney angekommen und ich geniesse es wieder hier zu sein!

See ya.