Samstag, 10. November 2012

Ohne Worte

"Ladies, was ist das hier fuer eine schraege Geschichte...?", fragten uns zwei etwa 40 jaehrige Maenner in einem von unseren Bossen unbeobachteten Moment und schauten uns mit fragenden Blicken an. Da stellt sich die Frage: Ja.. was zur Hoelle ist das fuer eine abartig schraege Geschichte?!

Die Vorbereitungen fuer unseren Job als was auch immer verliefen recht unspektakulaer. Wir waren ziemlich genervt, weil wir mit unserem ohnehin begrenzten Budget derart unsinnige Dinge wie Cocktailkleider und High Heels kaufen mussten, und beschlossen daher, auf schoen zu scheissen und auf billig zu setzen. Zwei Kleider, ein paar High Heels, und Schmuck (das musste sein.).

Als am Mittwoch dann der Zeitpunkt fuer uns gekommen war, in den Bus zu steigen und mit unseren ironischerweise mit Stoeckelschuhen gefuellten Backpacks in die Stadt in Richtung Hotel Shangri-la zu fahren, ueberprueften wir vorher noch einmal, ob alle unsere Freunde auch brav ihre Handys griffbereit hatten, fuer den Fall der Faelle. Dass diese unsere Geschichte im Hostel bereits die Runde gemacht hatte, habe ich ja bereits erzaehlt, und so verliessen wir das Beach House und liessen besorgte Gesichter zurueck.

Weil unser Shuttelbus zwei Stunden zu frueh in der Stadt ankam, beschlossen wir, uns in den Park an der Lagoon zu setzen und dort zu warten. Im Moment ist Cairns ueberfuellt mit unfassbar talentierten Hippies, die mit ihren Kunststueckchen versuchen, Geld fuer das Eclipse-Festival zusammen zu bekommen. Als wir uns dann schliesslich auf den Weg ins Hotel machten und die Dame an der Rezeption mit unseren Rucksaecken auf dem Ruecken fragten, wann wir denn einchecken koennten und sie uns von oben bis unten mussterte und offenbar feststellte, dass wir doch recht uncool waren, wurde mir sehr schnell klar, dass es keine Dame sondern eine schnoeselige Tusse war, mit der wir es zu tun hatten. Wir beschlossen auf Adeel (Name von der Redaktion geaendert), unseren Chef, den wir noch nie gesehen hatten, zu warten.
Wir waren unheimlich aufgeregt und als das taxi vorfuhr, wussten wir absolut nicht, wie wir uns verhalten sollten. Wir entschlossen uns dann aber doch sowas wie 'Hello" zu sagen und schuettelten ihm und seinen beiden Kollegen die Hand. Sein Blick auf unsere Shorts und unsere ausgewaschenen Shirts liess keinerlei Zweifel daran, dass er milde schockiert war, ueber die blinde Auswahl die er da im Internet getroffen hat und die Stimmung war dementsprechend angespannt. Aeusserlich. Innerlich bin ich vor Lachen beinahe gestorben. Gott, ihr haettet diesen Gesichtsausdruck sehen sollen! Als waere er knapp einem Herzinfarkt entgangen! Grossartig!
Wir hatten dann eine halbe Stunde Zeit, uns fertig zu machen. Ich weiss nicht, wie sie sich das vorgestellt haben, immerhin sollten wir "dashing" aussehen, und das ist nicht ganz einfach in so kurzer Zeit. Wir rannten also im Hotelzimmer auf und ab und machten uns huebsch, nicht ohne ab und an ein Paeuschen fuer ein Freudentaenzchen einzulegen. Das Zimmer war der pure Wahnsinn! Zwei King-size-Betten, riesiger Fernseher, Luxusbad und das beste: Eine Badewanne. Seit fast drei Monaten hattenw ir keine mehr gesehen, wir haben uns gefuehlt, wie... das ist mit absolut nichts zu beschreiben. Als wir dann, absolut puenktlich, fertig aufgedonnert mit knallrotem Lippenstift und hochgesteckten Haaren in unseren 10 Dollar Dresses, die definitiv nicht wie 10 Dollar aussahen, im Cocktail-Saal ankamen, traf uns erst mal leicht der Schlag. Der Raum war gefuellt mit Leuten. Nein, mit Maennern. Mit alten Maennern. Um die 50 (tut mir sehr leid, Papa, auch wenn du behauptest, du seist nicht alt.. aehem... nun ja.), die uns absolut unverbluemt von oben bis unten mit offenen Muendern anstarrten. Ich wuenschte, ich wuerde an dieser Stelle uebertreiben, aber ich schwoere beim Leben meines ungeborenen Sohnes Gunnar, dass das genauso passiert ist! Wenn ihr jetzt allerdings denkt, dass das eine Situation ist, die an Unbehagen nicht mehr getoppt werden kann, dann darf ich euch enttaeuschen. Aber lest einfach weiter. Wir wurden also waehrend dieser spassiegn Party unglaublich vielen, unglaublich langweiligen Herren vorgestellt, die uns mehr auf die Brueste als sonst wo hin gestarrt haben und uns aeussert unangenehme Fragen stellten. Die Sache war naemlich die, dass wir laut Adeel (Name immer noch von der Redaktion geaendert) so tun mussten, als wuerden wir schon ewig als persoenliche Assistenten der Chefetage arbeiten, fuer eine Company, deren Namen wir eine halbe Stunde zuvor zum ersten mal gehoert hatten. Fragen wir: Ladies, fuer welche Company arbeitet ihr? Was macht ihr da? Wir lange seit ihr da schon? Etc. sind also richtig beschissen. Als ein alter Sack, der Marsi ungefaehr bis zum Bauchnabel ging, sie fragte, fuer welches Unternehmen sie denn arbeite, drehte sie sich panisch zu mir um und fragte mich auf Deutsch: Scheisse, ANNA! Wie heisst die scheiss Firma?! Wir haben dann zusammen improvisiert und uns immer wieder Wein von den Tabletts genommen, die von heissen Kellnern durch den Saal getragen wurden. Ich gebe zu, dass Geschichten zu erfinden und der High Society von was auch immer brutal und ungeniert ins Gesicht zu luegen mit ein bisschen Wein noch viel mehr Spass macht, als es ohnehin macht :D
Weil Marsi und ich es nicht eingesehen hatten uns fuer diese 3 Tage auch noch eine passende Handtasche zu kaufen, war die einzige Moeglichkeit mit der Aussenwelt in Kontakt zu bleiben, mein Handy in mein Hoesschen zu stecken. (Eigentlich war es die Strumpfhose, falls jetzt ein angewidertes UAHHH aus eurem Mund kommt und ihr den spontanen Beschluss gefasst hattet, nie mehr einen Anruf von meinem Handy aus zu machen. Wobei Strumpfhose irgendwie auch nicht besser ist... Egal :D) Wir waren jedenfalls nicht sicher, ob wir vielleicht geschnappt und nach Kambodscha verkauft werden sollten, und weil Marsi ein derart enges Kleid trug, dass sie nicht mal richtig sitzen konnte, lag es an mir, unsere Aersche im Notfall mit einigen Anrufen zu retten. Als wir dann allerdings feststellten, dass wir weder verkauft, noch umgebracht werden sollten, verschwand ich kurz auf die Toilette und verschickte ca. 50 Smsn, dass der Job serioes und alles in Ordnung sei. Ich ging zurueck zu einem sterbenslangweiligen Gespraech mit zwei daemlich aussehenden, aber offenbar stinkreichen Kerlen, als unguestigerweise mein Handy durch das Laufen nach unten an eine noch unguestigere Stelle rutschte, als es sich ohnehin schon befand und es wegen der ca 50 Antwort-Smsn zu vibrieren anfing! Normalerweise wuerde ich sowas nicht erzaehlen, weil das selbst fuer meine Verhaeltnisse enorm peinlich ist, doch weil ich in Australien bin und diesen Blog sowieso nur meine Oma und meine Mam lesen, die mich so wie so lieben, kann ich das ja sagen. Es fing also an zu vibrieren, ich fing hysterisch an zu lachen, mitten in der Antwort auf die Frage des langweiligen Typen, was "wir denn produzieren wurden". Marsi sah mich irritiert an, ich lehnte ich ueber den Stehtisch und war dem Ersticken nahe vor lachen. Mit merkwuerdigen Schritten schlurfte ich also auf die Toilette und musste mich da erst mal auf den Boden setzen und mich beruhigen. Martina folgte mir, schaute mich fragend an, verstand dann aber sehr schnell, als ich das Handy herauszog und es immer noch ununterbrochen vibrierte. Eine halbe Stunde spaeter waren wir wieder faehig zu sprechen und gingen zurueck.
Kommen wir nun zum Dinner. Der Plan war eigentlich, dass wir alle an einem Tisch sitzen sollten, doch weil unsere Bosse sich fuer so maechtig hielten, dass sie dachten, sie muessten die Ladies, die sie mitbringen (uns, haha, das klingt so irre) nicht anmelden, wurde der ganze Sitzplan der armen Organisatoren durcheinander geschmissen und wir mussten uns trennen. Ich sass also mit unserem "Oberboss" an einem Tisch und Martina mit den beiden ertraeglicheren. Ich Glueckliche. Er fing also an zu erzaehlen, erst von sich, vons einer Arbeit von seinen Reisen. Dann, nach ein paar mehr Glaesern Wein, von seinem Bruder, der in Indien ein gefeierter Bollywood-Star ist (wir wurden dann spaeter am Abend uebrigens gezwungen mit ihm zu telefonieren. Daemlichstes Gespraech ever.Und ich darf sagen, dass es nicht deswegen daemlich war, weil wir nervoes waren oder sowas. Weswegen sollten wir auch? Bollywood, oh bitte.). Dann nach ein paar weiteren Glaesern von seinen Exfreundinnen (natuerlich nur Topmodels, die er entdeckt und beruehmt gemacht hat) und schliesslich, nach einem von vielen "Cognac-Breaks" oder wie es einer der "Ertraeglicheren" nannte "Apple-Juice-Break", die uebrigens auch zwischen den Meetings stattfanden, erzaehlte er mich bis ins kleinste Detail wie er eine ebenfalls im Saal anwesende junge Frau zur von einer ganzen zur halben Jungfrau gemacht hatte. Ja, liebe Leute, ich war auch geschockt. Und zugegebenermassen nicht schlecht verwirrt. Was zur Hoelle meinte er? Also dachte ich mir, scheiss drauf, und fragte ihn wie das denn funktioniere. Begeistert wie ein kleiner Junge hat er es dann beschrieben und mit beeindruckenden Metaphern ausgeschmueckt, die ich an dieser stelle nicht erwaehnen und liebend gerne fuer immer vergessen wuerde.
Als wir uns am zweiten Abend immer noch wirklich gut anstellten und einen "great job" machten, wurde uns dann ein Angebot unterbreitet. Als er mit diesen Worten anfing, dachte ich schon er moechte die Nummer meines Vaters haben und mich fuer 1 Kamel und zwei Pflaumen kaufen. War dann aber nicht. Er hat uns angeboten ein ganzes Jahr mit ihm zu arbeiten. Ich moechte arbeiten an dieser Stelle nicht in Anfuehrungsstriche setzen, auch wenn "Arbeiten" in diesen drei Tagen aus hauptsaechlich trinken, essen und feiern bestand. Wir haetten, laut seiner Aussage, die Moeglichkeit nach Amerika, Dubai, Shanghai, Singapur, Pakistan etc zu reisen. Fanden Marsi und ich im ersten Moment auch total klasse, bis wir zu zweit auf dem Balkon standen, der Oberboss zu uns raus kam und meinte, er muesse sich jetzt in unsere mitte stellen, und wir muessten mitspielen, wenn er gegenueber seinem Freund erwaehne, dass wir heute Nacht einen dreier haben wuerden. Martinas Gesicht war stocksteif, meines wutverzerrt. Offenbar konnte sie aber in meinen Augen lesen, dass ich kurz davor war, ihn vom Bolkon zu stuerzen, denn sie murmelte nur: 300 Dollar pro Tag, 300 Dollar pro Tag, durchatmen! Das taten wir und stuermten aufs Klo um uns abzureagieren. Das war der erste Moment in dem wir uns wie Huren fuehlten. Aber definitiv nicht der letzte.
In der Bezahlung von unfassbaren oben erwaehnten 300 Dollar pro Tag war auch das Partymachen in der Nacht inbegriffen. Die anderen wollten sich also auf den Weg machen, Martina und ich wollten noch kurz zurueck in den Speisesaal, als uns zwei Maenner ansprachen: "Ladies, was ist das hier fuer eine schraege Geschichte...?" Marsi und ich waren zuerst etwas uebefordert, weil wir nicht wussten wie viel wir erzaehlen durften, entschieden uns dann aber fuer die komplette wahre Geschichte. Dass wir weder personal Assistants seien, noch Prostituierte, sondern einfach nur Backpacker, die ein schweine Geld dafuer bekommen. Die beiden haben sich vor Lachen kaum noch einbekommen, meinten, dass sie schon seit 2 Tagen verzweifelt ueberlegen, ob sie uns irgendwie helfen sollten, uns aus den Fesseln der Sklaverei befreien, oder sonst irgendwas tun sollten. Wir unterhielten uns dann noch ein bisschen und kamen zur der gemeinsamen und sehr ernuechternden Erkenntnis, dass die Haelfte des Saales tatsaechlich glaubte, wir seien Huren und die andere Haelfte, wir seinen eingekauft (Was genau betrachtet, nicht unbedingt falsch ist..) Wir sind also am ersten Abend mit zwei Pakistani und einem Inder, alle um die 45, in kurzen Roeckchen und roten Lippen durch Cairns gelaufen und haben gebetet, dass uns niemand sieht :D Die Bar in die wir dann gingen, war Gott sei Dank so langweilig, dass kaum Leute da waren und im Grossen und Ganzen, wenn man sich einfach auf versautes Gerede und aehnliches einlaesst, war es doch ganz unterhaltsam. Am zweiten Abend wollte der Oberboss tanzen. Wir wollten eigentlich nicht, weil wir totmuede waren und die High Heels uns offenbar qualvoll umbringen wollten, doch wen interessiert was die bezahlten Maedels wollen? :D Also wurde getanzt. Als Oberboss dass allerdings einen offenbar indischen Move probierte, bei dem er seinen Oberkoerper schuettelte und seinen Kopf Richtung unsere Brueste bewegte, war fuer mich das tanzen vorbei und Marsi musste mich erneut an die 300 Dollar, 300 Dollar, erinnern.
Der letzte Abend war mein persoenlicher Favorit. Natuerlich nicht, weil mir ein BP-Chef ein Pony geschenkt hat, sondern weil es eine absolut unerwartete Nacht war.
Es war der Geburtstag eines der Ertraeglicheren und wir mussten ausgehen. Erst bestanden sie darauf in eine unserer Backpacker-Bars zu gehen, wo wir sie nicht mal mit hingenommen haetten, wenn sie uns mit dem Tod gedroht haetten, dann waren sie aber von der Idee eines Stripclubs mehr angetan. Der 45 Geburtstag eines Kollegen muss schliesslich ordentlich gefeiert werden. Martina und ich schauten sie unglaeubig an und fragten, ob sie da nicht lieber alleine hingehen moechten und meinte zu uns gegenseitig auf Deutsch, dass das wohl die defintiv merkwuerdigste Situation ever werden wuerde. Wir gingen also rein, liessen den Eintritt von schlappen 40 Dollar pro person zahlen und standen, zum zweiten mal in 3 Tagen, viel zu sehr aufgetusst in einer Menge aus Maennern. Als sie uns sahen waren sie sichtlich verwirrt ueber die Kleidung die wir trugen, nicht weil sie so speziell oder schoen oder haesslich oder was auch immer war. Sondern einfach WEIL es Kleidung war. Die Maedels auf der Buehne raekelten sich und die widerlichen Tpen gafften bescheuert. (Holla, wenn ich das so lese, muss ich zugeben, dass das heute nicht der bestformulierte Post ist.. :D ) Unsere Bosse bestanden darauf, dass wir uns direkt vor die Buehne setzen. Gut, warum nicht. Ich weiss nicht, wass sie sich versprochen haben, aber Brueste und nackte Hintern sind nicht soo spektakulaer fuer uns :D Als Oberboss einer Blondine dann allerdings Geld zusteckte und auf mich deutete, glaubte ich wirklich im falschen Film zu sein (glaubt es oder glaubt es nicht, aber wirklich erst zu diesem spaeten Zeitpunkt fing ich an, einem meinem sonst so glasklarem Verstand zu zweifeln). Ich bekam einen Lap Dance. Gott, ich kanns noch immer nicht fassen. Ich sass also da, und fing, weil ich etwas gelangweilt und vielleicht ein klitzekleinesbisschen ueberfordert war an, mit der Strpperin zu reden. Ich weiss jetzt jedenfalls, dass sie meine Bosse auch widerlich findet und dass sie studiert. Mehr konnte sie mir nicht erzaehlen, weil sie damit beschaeftigt war, ihren Kopf schwischen meine Beine zu schieben.

Ich kanns nicht fassen, dass ich das alles erzaehle.
Aber wenn ich es nicht gemacht haette, waere ich geplatzt.
Und daran elendig gestorben.
Und niemand will, dass ich sterbe.
Ich hoffe ihr habt es nicht gelesen.
Das mag ich schon oefter gesagt haben, und eigentlich habe ich gewollt, dass ihr es lest.
Aber heute... boah.. echt nicht. Bitte vergesst es wieder.

Dieser Beitrag braucht keinen Abschiedsgruss.
Ich habe sehr viel Geld verdient.
Und sehr viel Wuerde verloren.

Aber es war FUUUUUUUN!!! :D

3 Kommentare:

  1. Also erstmal WHAT THE FUCK!!!!^^
    zweitens WAS ZUM TEUFEL!!!
    drittens etc.
    ich könnte ewig so weiter machen ich finde echt keine Worte für diesen Blogeintrag.
    Du heilige Scheiße ich mein OMG wahhhh. :D ich kanns kaum glauben was ich da gerade gelesen hab.

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  2. Drei fucking Buchstaben. W. T. F.

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  3. :D :D :D also so ne geschichte hätte ich nicht erwartet, ich weiß nicht ob ich belustigt oder geschockt sein soll... aber schonmal sehr vernünftig dass ihr für den ernstfall vorgesorgt hattet ;-) bin ja ein bisschen angewidert vom lifestyle der high society... aber immerhin habt ihr den affen ordentlich geld abgeknöpft :D

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